Entlang des Moor-Erlebnispfades ist ein bemerkenswert großer Reichtum an Bächen und quellnahen Fließgewässern zu bestaunen. Alle Bäche fließen in Richtung des Talkessels und des Moores. So erklärt sich auch die Entstehung des Moores in diesem ständig mit Wasser versorgten Talkessel.
Der Hauptbach in diesem Gewässer-Netz-Verbund ist die Napte, ein naturnaher Bachlauf innerhalb einer strukturreichen, schmalen Bachniederung mit ausgeprägten Hecken-Grünlandkomplexen sowie Resten an Feucht- und Magergrünland. Die Napte entspringt in Horn-Bad Meinberg Kreuzenstein auf einer Höhe von 215 Metern. Nach rund 11 Kilometern mündet die Napte auf einer Mündungshöhe von 125 Metern bei Wöbbel in die Emmer. Über die Emmer und die Weser findet das Napte-Wasser schließlich seinen Weg in die Nordsee.
Auf dem Weg hin zur Emmer münden zahlreiche kleinere Bäche in die Napte. Allein hier am Moorstich findet sich ein ganzes Netzwerk an quellnahen Bächen und Rinnsalen. Einige dieser Gewässer wurden durch Menschenhand umgeleitet, während andere Bäche noch in ihren ursprünglichen Bachläufen fließen.
Quellnahe Bäche und Quellbäche, wie man sie hier findet, sind wesentlich durch das Grundwasser geprägt. Sie unterscheiden sich in ihrem Stoff- und Energiehaushalt von den anschließenden Bachstrecken und besitzen eigene, vom Quelltyp geprägte Lebensgemeinschaften. Naturnahe Quellen sind daher besonders wichtige und schutzbedürftige Biotope.
Im Rahmen einer Naturschutzmaßnahme wird diese Wiese von Galloway-Rindern beweidet. Ursprünglich kommt diese Rinderart aus dem Südwesten Schottlands. Aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit und dem friedfertigen Wesen sind sie heute aber in jedem Teil der Welt zu finden. Galloways sind sehr genügsam und können im Vergleich zu anderen Rinderarten ganzjährig in Freilandhaltung leben. Durch ihre Genügsamkeit und ihren angepassten, sparsamen Stoffwechsel verfügen sie über eine überdurchschnittliche Futterverwertung. Als leichtkalbig und fruchtbar gleichermaßen beliebt, überzeugen Galloways auch in ihrer Langlebigkeit ihre Züchter und Halter.
Die naturnahe Haltung der Rinder bringt eine hervorragende und beliebte Fleischqualität mit sich, die hier in Naturland-Qualität vermarktet wird.
Naturland e.V. ist ein Verband für ökologischen Landbau, deren Mitglieder nach höchsten ökologischen Standards arbeiten und die ihre Produkte in sozialer Verantwortung für Natur und Verbraucher erzeugen und verarbeiten. Die unter einem solchen Siegel produzierten Waren werden häufig über regionale Vermarktungsinitiativen vertrieben. Qualitativ hochwertige Produkte aus der Region können beispielsweise über Regionalmarken wie „BioLokal“, „Lippequalität“ oder „Senne Original“ bezogen werden.
Halbwilde Rinder, so auch die hier lebenden Galloways, fressen nicht nur Gräser und bereitgestelltes Futter. So zählen auch Blätter und Baumrinde zu den natürlichen Nahrungsquellen, wie man an der typischen „Fraßkante“ der freistehenden Wiesen-Eiche erkennen kann.
Am Moorstich in Bad Meinberg erkennt man deutlich die unterschiedlichen Moorfelder, die durch Dämme voneinander getrennt sind. Diese 16 Moorfelder ermöglichen einen zeitlich und räumlich differenzierten Moorabbau und die anschließende Regeneration und Neubildung des Torfes. Durch den Wechsel zwischen Abbau- Regenerationsphasen sowie die Rückführung des bereits „genutzten“ Moores aus den Badeeinrichtungen in die Regenerationsbecken wird die Neubildung des Moores unterstützt. Darüber hinaus kommt diese Methode insbesondere den natürlichen Ressourcen zu Gute und führt nicht zu unnötigen Belastungen dieses sensiblen und wertvollen Lebensraumes, wie beispielsweise den hier vorkommenden Pflanzen. Die vorherrschende, typische Vegetation besteht hauptsächlich aus Schilfgräsern, Binsen, Sauergräsern und Moosen.
Bedenkt man die Wachstumsgeschwindigkeit eines Moores mit circa 1-2 mm pro Jahr, so erreicht man abbaubare Torfschichten, sogenannte Torfmächtigkeiten, erst nach langer Zeit. Ca. 15 Jahre dauert es, bis eine abbaubare Torfmächtigkeit neu entstehen kann. Die Rückführung über die Pipeline bildet so einen für die Natur wichtigen Kreislauf, das „Moor-Recycling“.
Durch nachhaltiges und zukunftsorientiertes Denken wird so nicht nur die Erhaltung des Moorbades Bad Meinberg, sondern auch die Einzigartigkeit der hier vorhandenen Natur und Vegetation über Generationen hinaus gesichert.
Erste systematische Moorkultivierungen wurden bereits von Mönchen im frühen Mittelalter durchgeführt. Doch schon im Spätmittelalter und in Folge der Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges fanden diese zunächst ein Ende. Mit der allmählichen Wirtschaftsentwicklung Ende des 17. Jahrhunderts und verstärkt im 18. Jahrhundert setzte wieder eine landwirtschaftliche Inanspruchnahme ein.
In Meinberg wurde der traditionelle Moorabbau im Verlauf der Geschichte modernisiert. Während die Torfstecher von 1818 bis 1929 noch mit handwerklichem Geschick und körperlicher Anstrengung den Torfstich mittels Pferd und Wagen transportieren mussten, führte man schon früh eine sogenannte Feldbahn zur Erleichterung des Moortransportes ein. Die Feldbahn, die heute noch genutzt wird, transportiert den Torf in den typischen „Loren“ aus den Moorfeldern zur Moorlagerstätte oder zum Pumpenhaus.
Für die direkte Belieferung der Kliniken wird dem Moor im Pumpenhaus Mineralwasser zugefügt und dann als Wasser-Moor-Gemisch über das Pumpensystem und die Rohrleitungen zu den angeschlossenen Kliniken, wie der Rose Klinik und dem Stern Gesundheitszentrum gepumpt.
Das Pumpenhaus aus dem Jahr 1929 verfügt über derzeit drei leistungsstarke Originalpumpen und ist nicht nur für Technikbegeisterte von Interesse.
Das genutzte Moor-Wasser-Gemisch wird über eine Pipeline zur Renaturierung und Regeneration in bereits abgebaute Moorfelder zurückgeführt. So entsteht ein Mosaik unterschiedlich genutzter Moorfelder.
Die hier in Bad Meinberg entstandenen Moore sind sogenannte Quellmoore, die durch eine permanente Wassersättigung durch Mineralquellen gespeist werden. Die ständige Wasserzufuhr lässt das Moor nicht austrocknen und verhindert so einen vollständigen Abbau pflanzlicher Überreste. Diese Pflanzenreste lagern sich ab und werden im Laufe der Zeit zu Torf. Mit Sand, Ton und anderen Auswaschungen, die das Quellwasser mit sich bringt, sind Quellmoore oft schlammig und unterscheiden sich durch ihren Gehalt an Mineralstoffen von anderen Moorarten. Ebenso ist durch den hohen Sauerstoffgehalt eine sehr feine Struktur der pflanzlichen Ablagerungen gegeben.
Der Moorstich in Bad Meinberg, dessen naturreines Kurmittel bereits seit 1820 in heilsamen Packungen und Bädern Verwendung findet, hat seinen Namen „Stinkebrink“ dem anhaltenden Schwefelgeruch zu verdanken. Gerade an wärmeren Tagen ist der Geruch deutlich und einprägsam.
In den Badeeinrichtungen in Bad Meinberg wird das schwefelhaltige Moor als Heilmittel eingesetzt. Das Moor ist ein sehr guter Wärmespeicher, das die Wärme lange hält und bei einem Moorbad langsam an den Körper abgibt. Man nutzt Moorbäder als so genannte Überwärmungsbäder mit einer Temperatur bis zu 43 Grad Celsius. Die Behandlungen wirken sich positiv auf das Immunsystem aus und regen den Stoffwechsel an. Durch die Wärme entspannt sich die Muskulatur. Bekannt ist auch, dass der Badetorf unter anderem entzündungshemmende Substanzen enthält. Des Weiteren haben Moorbehandlungen eine Wirkung auf das Nervensystem. Die heilsame Wirkung des Moores ist unbestritten und die medizinische Forschung ist noch längst nicht abgeschlossen.
Schon Jérome Bonaparte, Bruder des Kaisers Napoleon, wusste die Meinberger naturreine Moorkur zu schätzen: „Was bringt mir Paris, wenn ich hier meine Seele spüre?“, so wird er nach seinem Bad in Meinberg zitiert.
Der Meinberger Moorstich sollte niemals ohne erfahrene Aufsicht betreten werden. Für die Besichtigung des Betriebsgeländes sind Öffnungszeiten eingerichtet. Führungen und Moor-Nordic-Walking-Läufe auf dem Gelände finden regelmäßig nach vorheriger Ankündigung oder nach Vereinbarung statt.
Der GPS-Pfad im Staatsbad Meinberg ist in zwei Abschnitte geteilt: Der Moorpfad erschließt das Schwefelmoor „Stinkebrink“ und seine Umgebung. Die Moormeile dagegen verbindet den Moorpfad mit dem Stadtkern von Bad Meinberg, vorbei an einigen historischen Sehenswürdigkeiten.
Am Moorpfad ist der Moorstich im Stinkebrink die erste Station. Dieses Moorgebiet verdankt seinen Namen dem schwefeligen Geruch, der besonders an warmen Tagen aus dem feuchten Boden emporsteigt. Hier wird der im Kurort Bad Meinberg verwendete Badetorf gefördert und nach Gebrauch wieder ins Moor eingebracht, damit er sich regenerieren kann. Auf diese Art und Weise kann das Moor nachhaltig genutzt und zugleich mit seiner Artenvielfalt bewahrt werden.
Naturschutz wird auch am Rande des Moores betrieben. Zum Beispiel auf der angrenzenden Wiese, die von Galloway-Rindern beweidet wird, um die abwechslungsreiche Kulturlandschaft zu erhalten.
Auch historisch birgt das Gebiet interessante Aspekte: Nicht weit vom Moor entfernt befindet sich die 1939 gegründete Siedlung „Moorlage“. Der Anlass ihrer Gründung war die Auflösung des Sennedorfes Haustenbeck aufgrund von Vergrößerungen des Truppenübungsplatzes Senne. Hier am Rande von Bad Meinberg fanden einige Haustenbecker ihre neue Heimat.
Durch das Tal der Napte führt unser Weg in Richtung Bad Meinberg. Der Kurpark mit dem Brunnentempel und das traditionsreiche Hotel „Zum Stern“ mit dem angeschlossenen Stern-Gesundheitszentrum sind Teil des aktuellen Kurbetriebes, welcher sich ohne die Moorvorkommen im Stinkebrink nicht in seiner heutigen Form entwickelt hätte.